Was ist bedeutet das neue Wehrdienstgesetz und wie beeinflusst es uns?

Was ist bedeutet das neue Wehrdienstgesetz und wie beeinflusst es uns?

Hallo liebe Kaktusleser, wie ihr es wahrscheinlich schon mitbekommen habt, ist am 1. Januar 2026 ein neues Wehrdienstgesetz in Deutschland in Kraft getreten. Aufgrund von schwacher Besetzung im Bund, hält die Bundeswehr es für nötig, sich schon in Friedenszeiten auf Ernstfälle vorzubereiten. Das Gesetz legt fest, dass alle 18-jährigen jungen Männer einen Fragebogen ausfüllen und sich einer Musterung unterziehen müssen. Frauen können sich freiwillig dazu entscheiden, dies auch zu tun. Das Ziel der Musterung ist es, Männer bzw. Frauen zu finden, welche für den Wehrdienst tauglich sind. Der Einstieg in den Dienst bleibt jedoch grundsätzlich freiwillig, solange sich genügend Leute für die Bundeswehr finden lassen. Falls dies nicht der Fall ist, könnte es dazu kommen, dass taugliche 18-jährige in den Wehrdienst eingezogen werden. Der Anreiz, der Bundeswehr beizutreten, wird durch ein recht hohes Gehalt von circa 2.600€ brutto und weiteren Zuschüssen gesteigert.

Wir haben Stefan H und Fritz K zu diesem Thema interviewt. Beide wurden 2008 geboren und sind somit von dieser neuen Reglung betroffen.

Ihr feiert ja im Dezember euren 18. Geburtstag. Normalerweise freut man sich auf diesen Tag, aufgrund der Volljährigkeit, dem Führerschein und anderen Vorteilen. Ändert die verpflichtende Musterung etwas an dieser Freude?

Stefan: Ja, natürlich schon ein bisschen. Ich weiß ja nicht, wie so eine Musterung abläuft, aber ich glaube, das coolste ist es auch nicht. Das will man ja nicht unbedingt machen, aber wenn es der deutsche Staat so will, dann ist es so.

Fritz: Also ich muss sagen, auf die ganzen Vorteile vom 18. Geburtstag freue ich mich natürlich schon, außerdem kann ich dann Auto fahren, das ist schon sehr sick. Aber die Musterung, glaube ich, dass man die definitiv nicht ablehnen kann. Trotzdem sehe ich das jetzt nicht als so ein großes Problem und hab auch keine große Angst davor. Ich freue mich da sogar ein bisschen drauf, weil die mir dann auch sagen, wie geil ich bin.

Habt ihr euch schon aktiv mit dem Fragebogen beschäftigt und fühlt ihr euch darauf vorbereitet, was genau nach eurem 18. Geburtstag passiert?

Stefan: Ne, tatsächlich habe ich mich noch nicht darauf vorbereitet, weil mein 18. Geburtstag liegt ja nicht in nächster Nähe. Ich lass mir da noch ein bisschen Zeit und schau es mir dann vielleicht im September oder Oktober mal an. Und dann bereite ich mich langsam drauf vor.

Fritz: Ich denke mal, ich lass es einfach auf mich zukommen. Ich werde mich da jetzt nicht so doll drauf vorbereiten. Natürlich werde ich mich informieren, was so ist, wenn ich das annehme, bzw. wenn ich es nicht annehme. Also prüfe ich natürlich die Vorteile und Nachteile, aber ich denk mal, jetzt groß auf die Musterung vorbereiten, werde ich mich nicht.

Hättest ihr den Wehrdienst/ Musterung auch freiwillig absolviert und warum?

Stefan: Also, das ist eine schwierige Frage. Ich hätte es wahrscheibnlich noch nicht mit 18 gemacht, sondern ich hätte jetzt erstmal meine Schule fertig gemacht, mein Abi und danach hätte ich mal überlegt, in welche Richtung es mich verschlägt. Und dann hätte ich auch vielleicht die Musterung/den Wehrdienst angenommen und wäre auch mal zum Bund gegangen, einfach wegen der Erfahrung.

Fritz: Also bei mir ist es so, mit 18 hätte ich es auch nicht direkt gemacht, sondern erst nach der Schule. Über den Wehrdienst hört man ja auch, dass man da gutes Geld am Ende bekommen kann, was vor allem dann hilft, wenn man später ein Studium machen will. Das ist jetzt zum Beispiel bei keinem dualen Studium so. Bei einem Studium, wo man natürlich ohne andere Jobs keine anderen Einnahmen hat, wäre natürlich ein angesparter Geldbetrag definitiv gut und hilfreich für die weitere Zukunft. Aber man muss natürlich auch dann wieder sehen, ob sich das dann wirklich lohnt, das für ein Jahr lang zu machen und auch danach im Leben damit klarzukommen.

Wie habt ihr euch gefühlt, als ihr zum ersten Mal mit der Einberufung konfrontiert wurdet?

Stefan: Ja, es war schon ein harter Schlag ins Gesicht, sag ich jetzt mal, weil es so plötzlich kam. Es hieß auf einmal, ab jetzt wieder Wehrpflicht ab dem Jahrgang 2008. Also das kam auf einmal so plötzlich.

Fritz: Es kam halt einfach alles so Schlag auf Schlag, kam so direkt. Und jetzt ist es halt schon veranlagt und jetzt muss man die Musterung machen. Und ja, alles es kam sehr schnell. Also es gab ja einen großen Aufschrei im ganzen Land. Die Musterung ab 2008 kommt, auch wurde viel in sozialen Medien  verbreitet. Es gab auch viele Proteste und sowas. Jedoch hat’s mich relativ wenig interessiert. Ich hab es ziemlich schnell wieder vergessen, weil ich halt wusste, dass man jetzt keine Person wirklich so dazu zwingen kann, zumindest bis zum bisherigen Standpunkt, außer es melden sich nicht genug, die das machen und ich denk mal, dann wird es noch Möglichkeit geben, das abzulehnen.

Welchen Einfluss hat die Wehrpflicht auf eure zukünftigen Pläne wie Studium oder Ausbildung?

Stefan: Also wie gesagt, ja ich will auf jeden Fall erst mal die Schule fertig machen, aber dann habe ich mir auch vielleicht überlegt, ein freiwilliges soziales Jahr zu machen. Also die Musterung würde eigentlich jetzt nicht so ein großes Problem in meiner Karriere bedeuten, aber ich muss mal schauen nach der Schule, wie es läuft.

Fritz: Also ich hatte eh vor, so ein Jahr zu machen. Aber wenn ich natürlich den Wehrdienst annehmen würde, das wäre natürlich auch gut. Wenn ich bei den Studiengängen ankomme, würde ich auf keinen Fall mehr ein soziales Jahr machen. Und natürlich auch, wenn das dann wirklich so stimmt mit dem guten Geld, das man beim Bund bekommt, würde das natürlich dann viel in der Zukunft bringen. Vor allem dann später im Studium. Da kann man vielleicht mal eine Reise machen oder kann einfach angenehmer und ich sag mal „luxuriöser“ im Studium leben.

Findest ihr es fair, dass gerade euer Jahrgang der erste ist, der diese Pflicht erfüllen muss?

Stefan: Ja, so fair würde ich jetzt nicht direkt sagen, aber ich finde es jetzt auch nicht schlimm, dass wir der erste Jahrgang sind. Es ist halt auch gerade so die Wende, wo dies entschieden wurde. Und deswegen finde ich es jetzt auch nicht direkt so schlimm. Klar, 2007er und 2006er hätte man auch noch gut mit reinnehmen können, aber danach kommen halt wieder der Jahrgang, der wieder zu alt ist, sag ich mal für die Wehrpflicht. Und ja, also ich finde es jetzt nicht unfair.

Fritz: Ich sag halt, dass man irgendwo den Strich ziehen musste, ab wann diese Wehrpflicht gilt und es wurde halt jetzt den Jahrgan 2008 getroffen. Ich denke mal, da haben sich auch viele drum beraten. Schlussendlich wurde es halt jetzt 2008. Es hätte auch auf 2009 oder 2007 treffen können und es hätte genauso Unruhen gegen. Deswegen denke ich, der Jahrgang 2008 ist kein Problem oder ich persönlich sehe das nicht als Problem an.

Findest ihr es fair, dass die Musterung nur für Männer verpflichtend ist und nicht für Frauen?

Stefan: Ja also was heißt fair? Also früher war das ja glaube ich auch so, dass die Männer verpflichtet waren, zum Bund zu gehen. Und deswegen sage ich, es ist in Ordnung, weil wie gesagt, es war damals schon so, dann können sie es auch wieder so machen. Ja, also ich finde es nicht schlimm oder unfair.

Fritz: Ich muss sagen, ich finde es jetzt auch nicht so unfair, da halt biologisch gesehen Männer in der Regel deutlich mehr Kraft haben. Diese physische Kraft braucht man ja vor allem beim Bund, um zum Beispiel die Parkoureinheiten auch gut zu meistern. Und auch allgemein; so eine Waffe ist schon sehr schwer, welche man da ja auch benutzen muss. Deswegen finde ich es jetzt nicht unfair.

Falls ihr für den Wehrdienst eingezogen werdet, würdest ihr euch für den Dienst an der Waffe entscheiden oder würdest ihr lieber ein soziales Jahr machen?

Stefan: Also es ist schwierig zu sagen, weil beide Seiten wirklich interessant sind. Aber ich tendiere eher zu einem sozialen Jahr, weil ich eher so in die Richtung Soziales gehe. Ich bin ja auch schon länger bei Demonstrationen als Leiter tätig, was ja auch in eine soziale Richtung geht und deswegen würde ich mich eher glaub ich in die soziale Richtung treiben lassen.

Fritz: Also ich würde wahrscheinlich auch zu 100 % lieber ein soziales Jahr machen, weil es zum Beispiel ja auch die soziale Jahre in anderen Ländern gibt. Dabei kann man auch mal andere Kulturen und Sitten kennenlernen und sich dann auch dort im sozialen Bereich einsetzen. Ich bin auch sozial interessiert. Zum Beispiel hat mir das Compassion-Praktikum, was wir in der 11. Klasse hatten, eigentlich auch sehr gut gefallen. Deswegen würde ich sagen, dass ich definitiv das freiwillige soziale Jahr machen würde.

Was ist eure größte Sorge, wenn ihr an eine mögliche Einberufung denkt?

Stefan: Meine größte Sorge ist einfach, dass ich bei einer Einberufung von zuhause weg bin, meine Famillie und meine Freunde vermissen werde bzw. halt einfach die Connections, die ich in den letzten Jahren so geknüpft hab, einfach für eine Zeit lang verliere – außer diejenigen vielleicht, die mit mir einberufen werden. Aber es wird da auf jeden Fall schon so das Heimweh mich bei der Einberufung natürlich verfolgen.

Fritz: Ich schließe mich Stefan an. Ich denke auch, da ich auch sehr viele sozialen Kontakte hier habe und sehr viel mit den Leuten hier mache , dass ich dann auch teilweise Heimweh bekommen werde. Aber wen zum Beispiel jetzt zwei meiner guten Freunde mitkommen würden, könnte das vielleicht sogar ganz spaßig werden. Außerdem hab ich auch viel Spaß an körperlichen Aktivitäten.

Glaubt ihr, dass ihr durch so ein Jahr Fähigkeiten lernt, die euch später im „echten Leben“ helfen könnten?

Stefan: Bestimmt, also ich denke mal, egal wo du schon mal warst, etwas Soziales oder generelle Arbeit bringt auf jeden Fall was. Das sieht man ja auch im Praktikum. Du lernst überall irgendetwas dazu.  Klar ist es vielleicht nicht das,  was dich interessiert, aber trotzdem lernst du was dazu, was dein Wissen erweitert. Und du erfährst halt einfach mehr Sachen über verschiedene Richtungen, die immer wichtig für’s Leben sind.

Fritz: Ich würde sagen, du lernst große und wichtige Fähigkeiten, da der Wehrdienst  ja auch über einen längeren  Zeitraum geht. Zum Beispiel wurde mir auch oft gesagt, dass man dort auch „lernt“,  auf die Befehle von Menschen zu hören. Sonst bekommt man dort mit den Offizieren zum Beispiel ein Problem.  Und so ist das teilweise ja auch im späteren Leben.

 

Mit diesem Interview konnten wir sehen, wie das neue Gesetz auf uns Schüler des Jahrgangs 2008 Einfluss hat und welche Gedanken jungen Menschen durch den Kopf gehen.
Vielen Dank an Stefan und Fritz für das Interview.

Schreibt doch gerne eure Meinung zu diesem Thema in die Kommentare 😉

 

1 Comment

  1. gruenerFritt

    Danke für dieses Interview von Menschen, welches dieses Thema wahrscheinlich zurzeit sehr zum Nachdenken bringt und es auch um die Zukunf Deutschland geht.

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