Hi Leute, bestimmt reiten einige von euch. Auf so einem Reiterhof stehen Ponys und Pferde normalerweise alle auf einem Padock (eingezäunter Sandplatz), einer Koppel oder in einer Box und haben alles, was sie brauchen: Futter, frisches Wasser, weichen Einstreu und so weiter. Aber habt ihr euch auch schon mal überlegt, wie Wildpferde eigentlich eben? Zunächst mal: Die einzigen, noch freilebenden Wildpferde, die nicht von verwilderten Hauspferden abstammen, sind die Przewalskipferde:

Przewalskipferde sind gut an ihrem sandbraunen Fell, ihren Stehmähnen, ihrem Aalstrich und ihren Mehlmäulern (weißes Maul) zu erkennen. Oft haben Przewalskipferde auch einen hellen Bauch.
Beim Leben in einer Herde (Gruppe von Pferden) gibt es eine natürliche Rangordnung, ohne die kein Herdenleben möglich ist:
- Am meisten „Macht“ hat die Leitstute (Stute: weibliches Pferd). Sie ist das älteste und erfahrenste Tier der Herde. Sie entscheidet z.B. wann ausgeruht oder gefressen wird. Außerdem kennt sie die besten Futter-und Wasserplätze.
- Den zweiten Platz in der Ragnliste belegt der Leithengst (Hengst: männliches Pferd). Er ist das stärkste Tier der Herde, und muss die anderen Pferde bei Gefahr verteidigen. Der Job eines Leithengstes ist jedoch so unbequem, dass ihn die meisten Pferde nicht machen wollen. Der eigentliche Chef ist sowieso die Leitstute.
- Ranghohe Stuten sind auch ältere und erfahrenere Tiere. Die meisten von ihnen hatten schon mal ein Fohlen. Auch das Alter der Stuten spielt bei dieser Rangordnung eine wichtige Rolle.
- Die jüngeren und schwächeren Tiere nennt man rangniedrige Tiere. Sie müssen z.B. den ranghohen Tieren öfters ausweichen. Und dürfen erst später an Futter, Wasser o.Ä.
- Die jungen Hengste sind die männlichen Fohlen, die schon etwas älter sind. Sie werden bald die Herde verlassen und sich anderen Herden anschließen.
- Fohlen sind die Pferde, die am wenigsten Macht haben. Wildpferde haben über Jahrtausende Strategien entwickelt, um zu überleben.
1. Nahrung: Da Pferde Planzenfresser sind, haben sie eigentlich immer etwas zu fressen. Sie ernähren sich mit Gräsern, Kräutern oder Rinden. Pferde kennen die Umgebung meist ganz genau und wissen, wo es zum Beispiel Flüsse und Seen als Wasserquellen gibt. Oft legen sie dann weite Strecken zurück, um an Wasser zu gelangen.
2. Sozialverhalten: Pferde leben in Herden, das habe ich ja schon erwähnt. So eine Herde kann sehr viele Tiere haben. Manchmal sogar über 100!!! So eine Herde ist auch ein großer Schutz vor Feinden. In der freien Wildbahn haben Pferde nämlich auch Feinde. Wenn gegrast oder sich ausgeruht wird, passen immer ein bis zwei Pferde auf und geben Alarm wenn ein Feind kommt (wie auf dem Foto)

4. Fluchtinstinkt: Pferde sind Fluchttiere. Das heißt dass die Tiere bei Gefahr fliehen,statt sich zu wehren. Pferde fliehen beim kleinsten Anzeichen einer Gefahr. Und das kann alles sein! Das habt ihr vileleicht auch schon mal erlebt, wenn ein Pferd sich in der Reitstunde vor einer Plastiktüte o.ä. erschreckt hat. Das Pferd folgt also nur seinem Instinkt.
5. Anpassung an das Wetter: Im Winter bekommen Pferde ein Winterfell-Wie viele andere Tiere auch-, das sie im Winter gegen Kälte und Nässe schützt. Im Frühjahr fällt das Fell wieder aus, damit das Pferd bei warmen Temperaturen nicht schwitzt. Bei Wind stellen sich Pferde übrigens auch hinter Hügel und Bäume. Schlau, was?
Nachwuchs:
In eine freilebenden Herde kommen pro Jahr ca. 6-10 Fohlen zur Welt. Wie viele Fohlen zur Welt kommen, hängt auch davon ab, wie groß die Herde ist und ob es gerade genug Wasser und Futter gibt. Die Tragezeit bei Pferden liegt bei ca. 11 Monaten. Die Geburt geht schnell und nach einer halben Stunde kann das Kleine schon laufen. Das ist wichtig, denn Wildpferde sind rund um die Uhr in Gefahr! Die Stuten ziehen die Fohlen gemeinsam groß. Die Mutter lässt ihr Fohlen mindestens ein Jahr bei sich trinken. Die erste Milch, die das Fohlen bekommt, heißt Biestmilch. Sie gibt dem Fohlen viele wichtige Nährstoffe. Wusstet ihr, dass die Fohlen von ihren „Tanten“ bzw. von anderen Stuten und gar nicht von ihren Müttern großgezogen werden?
Zum Schluss noch: traurig aber wahr!
Es gibt in freier Wildbahn nur noch ausgewilderte Hauspferde. Aber da wir Menschen immer mehr Flächen landwirtschaftlich nutzen und Waldflächen abholzen, gibt es immer weniger Lebensraum für diese Pferde. Wildpferde fressen zum Beispiel Felder ab, weil sie nichts anderes mehr finden. Die Bauern sehen das natürlich als Problem. Die Pferde werden dann wieder eingefangen und meistens zum Schlachter gebracht 🙁
Ich hoffe, mein Artikel hat euch gefallen
Euer Mustang

Eine sehr gelungene Beschreibung über das Leben von Pferden!
bester Artikel ever 🙂