Beim diesjährigen JuLi – Wettbewerb belegte Jannik (10c) den 1. Platz in der Kategorie Lyrik mit dem Beitrag: Tagebuch eines Feiglings
Das Urteil der Jury lautete: Im erstplatzierten Text „Tagebuch eines Feiglings“ stellt Jannik eine Frage, die längst überholt schien, nun aber für eine ganze Generation wieder an Relevanz gewinnt. Ist feige, wer nicht in den Krieg ziehen will? Der französische Autor Céline hat sie vor einem knappen Jahrhundert bereits gestellt. Die Antwort ist dieselbe geblieben — und sie kommt daher mit einer Wut, die brennt wie Feuer in den Lungen: von Herzen, laut und ohne Entschuldigung.
Tagebuch eines Feiglings
Aber Ferdinand, man kann den Krieg nicht ablehnen, das ist völlig unmöglich, nur Verrückte und Feiglinge lehnen den Krieg ab, wenn ihr Vaterland bedroht ist.“ „Dann, Miss Lola, sollen die Verrückten und Feiglinge hochleben, oder besser ÜBERLEBEN.“
(Celine, Reise bis ans Ende der Nacht.)
Fragt man Bukowski, das beste Buch der letzten 2000 Jahre,
So alt, voller Staub, doch trifft es den Ton der letzten Monate, Wochen, Tage.
Denn er hält uns in einem Würgegriff und lässt nicht los,
Im Gegenteil,
Greift fester und fester zu,
Versetzt uns den letzten Stoß,
Doch bleiben wir stark, verlieren unsere Würde nicht.
Denn nein, ich würde nicht sagen, dass wir unbeschwert in Frieden leben,
die Zukunft vom Kriege wegbewegen.
Denn so hört man doch aus aller Munde
vielerlei schrecklich Kunde:
Krieg in der Ukraine, Hunger in Palästina, Terror in Afghanistan,
Faschismus in Amerika, fehlende Frauenrechte im Iran.
Eine kaputte Welt, geprägt von Kapitalismus,
Sexismus,
Rassismus,
Populismus,
Faschismus,
Und Sozial-Darwinismus,
Natürlich erlaubt sich so mancher regen Zynismus
Oder wahllosen „Das-Glas-ist-halb-leer“-Pessimismus.
Aber mittendrin steh ich.
Noch so jung, voller Träume, Visionen,
Die Möglichkeiten erstrecken sich weit in die Millionen,
Doch tut die Krankheit auch mich nicht verschonen.
Denn nun ist meine Heimat auch bedroht:
Große Bedrohung kommt aus dem Fernen Osten,
Deutschland versinkt in schlechtem Militär und hohen Kosten.
Die „starken“ Führer des Landes rennen umher wie aufgescheuchte Hühner,
Der Altenverein, der sich deutsches Volk nennt, bibbert vor Angst,
als er entsetzt feststellt,
dass du mit „Endlich sagts mal einer“-GenZ-Veganer-Ausländer-Hass alla Thomas Gottschalk keinen Krieg gewinnen kannst.
Doch da: Ein Lichtschimmer am Himmelszelt, die Gemüter werden kühner:
Denn nun wollen sie uns, mich, meine Schwestern, meine Brüder.
So rufen sie zu den Russen: „Nehmt nicht uns, nehmt die Jungen.“
Ziehen mich gierig in die Dunkelheit, Wasser entfließen meinen Augen und werden zu einer Lache der Melancholie, Furcht, der Wut.
Ich habe Angst und sie brennen wie Inferno, wie Feuer
Meine Lungen.
Und wenn ihr wollt, dann nennt mich jetzt feige,
Denn die Feiglinge sollen hochleben,
Die Botschaft soll durchs ganze Land erbeben.
Ich bin zu jung, selbst zu entscheiden?
Zu jung, um zu lieben, um eine Meinung zu haben,
zu jung, um zu wählen?
Aber alt genug, und das kannst du keinem erzählen,
um einen Kampf zu kämpfen, der nicht meiner ist?
Für einen Mann, dem ich nicht egaler sein könnte,
Für ein Volk, dem ich nicht egaler sein könnte?
Für einen Kanzler, den ich nicht gewollt und nicht gewählt hab,
Und ja, Fritze, ich mein dich, ich hoffe du verstehst das.
Zu all dem möchte ich nein sagen,
Ich lehne den Krieg ab,
Denn was ist mit den Menschen, dass sie Gewalt mit Gewalt schlagen?
Mich am einen Tag preisen, am nächsten dann jagen?
Soll ich wahllos auf Brüder schießen, die dasselbe Schicksal wie mich plagt?
Nein, denn Körper wehrt sich und verzagt.
Meine innere Stimme spricht etwas anderes und sagt:
Die Rasse Politiker hat doch nur eines im Sinn:
Na klar sind wir für Frieden, doch erst müssen wir gewinnen.
