Fortsetzung des JuLi Sieger-Beitrags von Michael und Jakob „Das Gleiche Schicksal“ <tohttps://www.kaktus-bzm.de>
… Nach einer gefühlten Ewigkeit fand er ein Wappen mit einem grünen Tier auf schwarzem Grund, doch bei näherem Hinsehen bemerkte er, dass das Tier ein Löwe und keine Hydra war. Also suchte er weiter. Es regte ihn unglaublich auf, dass er nicht wusste, wer sein Feind war. Doch auch nach weiteren Stunden vergeblichen Suchens fand er das Wappen nicht. Und er hörte die Stimmen vieler Menschen, die an der Bibliothek vorbeigingen. Das mussten die Menschen sein, die von der Feier der Schwertleite nach Hause gingen. Enttäuscht machte sich Eralur auf den Weg zurück zum Haus des Fürsten. Als er ankam, kam ihm sein Adoptivvater bereits entgegen. „Eralur, da bist du ja, wir müssen aufbrechen. Es ist schon spät.“ Ines erwartete sie vor dem Haus. Sie umarmte und beglückwünschte ihn. Einige Tage vergingen und Eralur stahl sich immer wieder in das Schreibzimmer seines Adoptivvaters, um nach dem Wappen zu suchen. Erfolglos. Eines Tages hörte Eralur das Hufklappern von Pferden vor dem Haus. Er schlich die Wendeltreppe ein Stück herunter. Gedämpft hörte er die Stimmen Balduins und eines anderen Mannes. „Sarkaras von Endris‘ Raubritter sind weiter vorgedrungen. Bald werden sie dieses Königreich erreichen. Sie brandschatzen Dörfer, töten und versklaven ihre Bewohner. Wir müssen ihnen Einhalt gebieten. Ich bin hier, um Eralur von Tholey zum Kriegsdienst aufzurufen. Ein jeder hat die Pflicht, diesem Ruf zu folgen.“ Schweigen trat ein. Auch Eralur schnappte nach Luft. Kurz verlor er das Gleichgewicht und wäre beinahe die Treppe hinuntergefallen. Erst vor wenigen Tagen wurde er zum Ritter geschlagen und nun sollte er in den Krieg ziehen? Es war Balduins Stimme, die die Stille unterbrach: „Natürlich, Eralur wird sich dem Heer anschließen.“ „Gut, in drei Tagen sammeln sich die Ritter vor Fürst Casimirs Stadt.“ Also drei Tage. Drei Tage noch, bis er in den Krieg ziehen würde. Ein paar Tage, bis er vielleicht sterben würde. Und noch dazu wusste er nicht einmal, mit wem er es zu tun hatte. Er hatte noch nie etwas von Sarkaras von Endris gehört. „Er wird dort sein“, sagte Balduin mit krampfhaft ernster Stimme. Mit diesen Worten schloss Balduin die Tür und der Bote ging davon. „Eralur, komm bitte herunter!“, rief Balduin. Langsam ging Eralur die Treppe hinunter. Er betrat die Eingangshalle und wandte sich in Richtung des Wohnzimmers. Sein Adoptivvater stand vor dem Kamin und blickte ihn ernst an. „Eralur, gerade eben war ein Bote da. Er hat dich zum Kriegsdienst beordert. In drei Tagen musst du vor Fürst Casimirs Stadt sein und gegen die Raubritter von Sarkaras von Endris kämpfen, für unser Reich.“ Obwohl Eralur dies bereits wusste, war es trotzdem etwas anderes, es aus dem Mund Balduins zu hören. Angst stieg in Eralur auf, doch er versuchte sie zurückzuhalten. Nach all seiner Ausbildung für solche Momente musste er nun stark sein. „Wirst du gehen?“, fragte Balduin. „Ja“, antwortete Eralur und versuchte seine Stimme zu beherrschen. „Es ist der Wille des Fürsten.“ „Gut, mein Junge. So soll es sein.“ Balduin verließ den Raum und ließ Eralur mit der bedrückenden Nachricht zurück. Nachdenklich ging Eralur vor dem Kamin auf und ab. Dann entdeckte er einige Pergamentrollen auf einer Holzkommode rechts neben der Tür. Interessiert trat er vor die Kommode und faltete eine auf. In schnörkeliger Handschrift war ein Text geschrieben. Eralur begann zu lesen, bemerkte jedoch schnell, dass es genau das war, was der Bote Balduin mitgeteilt hatte. Er rollte die nächste auf und eine weitere Rolle rutschte heraus und fiel zu Boden. Eralur hob sie auf und entdeckte, dass eine Landkarte darauf abgebildet war. Auf der einen Seite ihr Königreich und auf der anderen Seite drei weitere. Rote Flecken kennzeichneten das Kriegsgebiet. Große Teile des Königreichs Vhengar waren zerstört. Mawerika war fast zur Hälfte Kriegsgebiet. Nur in Endresien gab es keine Zerstörung. Unter „Endresien“ stand „Das Königreich Sarkaras‘ von Endris“. Darunter wiederum ein Wappen: giftgrüne Hydra auf schwarzem Grund. Eralur wurde schwindelig und er musste sich auf der Kommode abstützen. Jetzt ergab alles einen Sinn. Sarkaras von Endris Raubritter hatten sein Dorf überfallen. Von Endris‘ Ritter hatten seine Familie getötet. Sarkaras von Endris war für all die Morde, Brände und Zerstörungen verantwortlich. Eralur musste ihn dafür bestrafen. Er musste ihn finden und all die Tode rächen. Er wollte keine drei Tage warten. Er fasste einen Entschluss: Sobald seine Adoptiveltern schliefen, würde er aufbrechen zur Burg von Sarkaras von Endris. Nach dem Abendessen ging er auf sein Zimmer und holte einen großen Lederrucksack aus seinem Schrank. Er packte Kleidung und Proviant für eine Woche ein. Zurück in seinem Zimmer betrachtete er im Schein einer Kerze die Landkarte und legte sich eine Route zurecht. Aus dem Studierzimmer seines Vaters besorgte er sich weitere Landkarten der Reiche und markierte sich Rastplätze, Brunnen und Quellen. Als er seinen Rucksack fertig gepackt hatte, ging er in die Waffenkammer. Er zog sich eine Rüstung an, bewaffnete sich mit einem großen Zweihänder, einem Schwert, welches selbst die dicksten Rüstungen durchdringen konnte. Außerdem nahm er sich eine Armbrust mit einem Köcher voller Bolzen.Dazu schob er sich einen kleinen Dolch in den Strumpf. Ein Trick, welchen Balduin ihm beigebracht hatte. Eralur wollte gerade aufbrechen, als ihm etwas einfiel. Seine Adoptiveltern würden sich sicher Sorgen machen. Schnell verfasste er einen Brief und legte ihn auf die Holzkommode. Dann verließ er das Haus. Im Stall sattelte er sein Pferd, befestigte den Köcher und den Zweihänder am Sattel und ritt los. Entlang seiner festgelegten Route. Als der Morgen anbrach, war er bereits an der Grenze seines Königreichs angekommen. Die Stelle, an der er die Grenze passieren würde, war inmitten eines großen Waldes. Das dichte Unterholz bot kaum Durchsicht, doch das störte Eralur nicht. Er ritt einfach weiter in den Wald hinein. Als Eralur an eine Lichtung kam, bemerkte er etwas Merkwürdiges: ein noch rauchendes Lagerfeuer. Da passierte es plötzlich: Drei finstere Gestalten sprangen hinter den Bäumen hervor. Das Pferd bäumte sich auf und warf Eralur von seinem Rücken. Er stürzte, rappelte sich aber sofort wieder auf. Eralur duckte sich unter dem Schlag eines Angreifers weg, wich einem weiteren aus und erreichte schließlich sein Ziel: den Zweihänder, der vom Pferd gefallen war. Geschickt hob er ihn auf und entwaffnete mit einem gut gezielten Schlag einen Gegner. Mit dem zweiten Schlag erwischte er zwei der Räuber. Dann sah er den dritten, welcher es offenbar auf Eralurs Geldbeutel abgesehen hatte. Er folgte ihm mit großen Schritten und verpasste ihm einen Stich ins Bein. Der Angreifer stürzte zu Boden. „Schamlos aus dem Hinterhalt angreifen, pff“, sagte Eralur verächtlich. Er schnappte sich seinen Geldbeutel aus der Hand des Diebes und stieg wieder auf sein Pferd. Der Rest der Strecke durch den Wald verlief ohne weitere Vorfälle. Als der Abend anbrach, rastete er in der Nähe eines gebrandschatzten Dorfes. Niemand würde ihn dort vermuten. Je weiter er vorankam, desto karger und trockener wurde die Landschaft. Er kam an immer mehr zerstörten Dörfern und Städten vorbei. Ab und zu sah er niedergeschlagene, vom Krieg gezeichnete Menschen. Sie taten Eralur leid, doch er konnte nicht anhalten, da er so schnell wie möglich zu der Festung gelangen musste. Bald würde er die Grenze zwischen Mawerika und Endresien erreichen. Am vierten Tag wurde die Landschaft bergiger und am Horizont sah er die schroffen Felshänge des Tropikanten Gebirges aufragen. Das war das letzte Hindernis zwischen ihm und seinem Ziel. An einer tiefen Schlucht, die aussah, als hätte jemand das Land zerschnitten, versuchte er sein Pferd über eine schmale Brücke zu manövrieren, doch er bemerkte schnell, dass es zu scheu war, um sie zu überqueren. Da die Berglandschaft sowieso anstrengend für das Pferd sein würde, entschloss Eralur sich, das Pferd in einem Dorf zu verkaufen. Nach kurzer Zeit kam er zurück an die Brücke. Er hatte sein Pferd gegen ein paar Münzen getauscht. Der Anfang des Bergs war noch leicht begehbar, doch später musste er teilweise sogar klettern. Vorsichtig, mit dem Rücken zur Felswand, ging er einen schmalen Pfad vor einem Abgrund entlang. Dann plötzlich löste sich ein loser Stein unter seinem Fuß. Er schwankte, versuchte das Gleichgewicht zu halten und konnte sich gerade noch an einem aus der Felswand ragenden Steinbrocken festhalten. Als er um die nächste Ecke bog, erreichte er einen Engpass. In der Ferne erkannte er die dunklen Türme einer Festung. Das musste sie sein: Sarkaras Festung. Je näher er herankam, desto furchteinflößender und abschreckender erschien sie ihm. Einzelne Ritter patrouillierten vor der Burg, der Wehrgang war voll mit Schützen besetzt. Aus dem Augenwinkel jedoch entdeckte Eralur ein Schlupfloch: ein mit Gittern versehener Abwasserkanal. Als er näherkam, bemerkte er, dass die Gitter rostig waren. So ließen sie sich leicht mit dem Schwert aushebeln und erzeugten dabei keinen auffälligen Lärm. Trotz seiner schweren Rüstung, angetrieben durch puren Willen, robbte er sich durch den Kanal. In diesem Moment war er dankbar für das harte Training, das er im Jungenalter immer verabscheut hatte. Das Glück auf seiner Seite: Der Kanal mündete genau in den Brunnen der Burg. Er stemmte seine Beine gegen die glitschige Mauer des Brunnens. Sein Rücken war an der gegenüberliegenden Seite des Brunnenschachts. So versuchte er, sich den Brunnen hochzustemmen. Er keuchte vor Anstrengung, seine Beine zitterten und Schweißperlen liefen ihm über das Gesicht. Doch er hörte nicht auf und nach einiger Zeit kam er erschöpft, aber zufrieden am Ende des Brunnenschachts an. Er streckte seine Arme nach dem Rand aus und zog sich mit letzter Kraft hinauf. Er war in einem Innenhof gelandet, in dem er einen Stall, eine Schmiede und einen Wagen mit Stroh entdeckte. Schnell schlich er in die Richtung des Wagens und kletterte unter ihn, da auch hier Wachen auf den Wehrgängen patrouillierten. Doch da tauchte ein Schatten vor ihm auf und eine große Hand packte ihn am Kragen. Geistesgegenwärtig ergriff Eralur sein Schwert und rammte dessen Knauf in die Seite des Angreifers. Dieser öffnete den Mund, um aufzuschreien, doch blitzschnell stopfte Eralur ihm einen Haufen Stroh in den Mund. Mit der flachen Seite seines Schwerts schlug Eralur ihn bewusstlos und zog ihn unter den Wagen. Erschrocken sah er sich um, doch anscheinend hatte niemand den Kampf bemerkt. Er entdeckte eine Wendeltreppe, die in Richtung der Gemächer und der Küche der Burg zu führen schien. Also wartete Eralur, bis die Truppe auf dem Wehrgang kurz verschwand. Dann ging er flink in Richtung der Treppe. Als die Truppe wieder auftauchte, hatte er sich bereits in einen sicheren Schatten gerettet. Langsam, Stufe für Stufe, schlich er die Treppe hinauf. Doch anders als gedacht endete sie nicht etwa in der Nähe der Gemächer, des Thronsaals oder der Küche, sondern auf der anderen Seite des Wehrgangs. Als er sich umdrehte, blickte er geradewegs in die wütenden Gesichter zweier Wachen, die auf ihn zustürmten. Den ersten Schlag fing Eralur geschickt mit der Armschiene seiner Rüstung ab. Er nutzte den Schwung, um mit dem Schwert auszuholen und eine Wache mit einem mächtigen Hieb außer Gefecht zu setzen…
Fortsetzung folgt!
