Fortsetzung des Beitrag „Das gleiche Schicksal“ von Michael und Jakob https://www.kaktus-bzm
… Die zweite Wache, immer noch mit dem Schwert an Eralurs Arm, stieß er zurück und ehe sie reagieren konnte, lag sie entwaffnet am Boden. „Wo finde ich Sarkaras?“, fuhr Eralur ihn an. Noch immer verdutzt erwiderte der Wachmann: „Ich … ich weiß nicht genau.“ „Sag es mir!“, sagte Eralur, die Spitze seines Schwertes auf die Kehle des Soldaten richtend. „Äh, in seinen Gemächern, die sind in dem Turm da, ganz oben.“ Die Wache deutete auf einen hoch emporragenden Turm. Zum Dank schlug Eralur die Wache bewusstlos und eilte ohne Zeit zu verlieren in Richtung des Turms. Gerade wollte er durch eine Tür das Treppenhaus betreten, als er schwere Schritte hinter der Tür hörte. Eralur versteckte sich gerade noch rechtzeitig hinter der Tür. Kurz darauf kam eine große und stämmige Wache durch die Tür und lief in Richtung des Wehrgangs. Das war knapp. Doch Eralur gönnte sich keine Pause. Entschlossen schlich er die Steintreppe hoch. Oben angekommen, sah er am Ende eines langen Flurs zwei Soldaten, die eine große Flügeltür bewachten. Trotz ihrer wichtigen Aufgabe waren sie nur leicht bewaffnet, außerdem wirkten sie schläfrig. Eralur wusste, dass es nur eine Möglichkeit gab: Er musste die Wachen überraschen. Also packte er sein Schwert fester, bereit, es zu benutzen. Mit einem Ruck setzte er sich in Bewegung und stürmte auf die Soldaten zu. Einen setzte er mühelos mit einem schweren Schlag außer Gefecht. Der andere jedoch wehrte seinen zweiten Schlag mit seinem Speer ab und begann mit ihm zu kämpfen. Sofort bemerkte Eralur, dass es sich bei seinem Widersacher um einen gut ausgebildeten Elitesoldaten handelte, denn er gewann von Anfang an schnell die Oberhand. Oft musste Eralur parieren oder einem Schlag ausweichen. Doch in einem unachtsamen Moment seines Gegners zerschlug Eralur seinen Speer, rammte ihm sein Schwert in die Seite. Sein Gegner sackte zusammen. Nun stand nichts mehr zwischen ihm und Sarkaras von Endris. Eralur stieß die Tür auf. Und da stand er. Von den lauten Geräuschen des Kampfes gewarnt, hielt er sein Schwert bereits in der Hand. „Wer zur Hölle seid ihr!?“ „Ich bin Eralur von Tholey. Ihr habt meine Familie und viele andere Menschen getötet.“ Ein gehässiges Grinsen huschte über die Lippen seines Gegners. Feurige Wut entbrannte in Eralurs Körper. Er schnellte nach vorne. Seinen Schlag wehrte Sarkaras lässig ab. „Hast du nie die alten Traditionen gelernt, Bauernjunge? Es hat etwas mit Respekt zu tun, sich ein Duell zu liefern.“ „Von Respekt braucht ihr mir nichts zu erzählen. Es ist viel respektloser, normale Bauern nur wegen ihres Landes und ihres wenigen Geldes zu töten.“ Dann begann das Duell. Immer wieder wehrte Sarkaras von Endris Eralurs von Wut geführte Schläge ab. Eralur konnte nur geradeso Sarkaras gut gesetzten Hieben ausweichen. Doch als Sarkaras unaufmerksam wurde, schwang Eralur sein Schwert nur knapp an Sarkaras Kehle vorbei und durchtrennte den schwarzen Spitzbart an Sarkaras Kinn. Sarkaras achtete nicht darauf und Eralur musste zwei schmerzhafte Hiebe in die Seite einstecken. Unter Schmerzen sank Eralur zu Boden. Gerade noch rechtzeitig rollte er sich zur Seite und entging so einem weiteren Schlag. Eralur erwischte das rechte Bein seines Kontrahenten und nun fiel auch dieser zu Boden. Dabei jedoch rutschte Eralur sein Schwert aus der Hand. Bevor er danach greifen konnte, warf sich Sarkaras auf ihn und griff mit den bloßen Händen nach ihm. Ein gut gezielter Faustschlag hieb den Helm von Eralurs Kopf und Sarkaras’ Hand packte ihn an der Kehle. Unter großen Anstrengungen, aber mit Siegesgewissheit in der Stimme sagte er: „Das war es wohl mit dem mutigen Bauernjungen, der seine Familie rächen wollte.“ Doch Eralur wollte nicht aufgeben. Er musste Sarkaras von Endris für all das Leid, das er verursacht hatte, büßen lassen. Langsam, mit letzter Kraft, griff Eralur nach der Unterseite seines Beines, erfasste den Griff des Dolches, zog ihn heraus und stach ihn Sarkaras durch die Rippen ins Herz. Das Gesicht seines Erzfeindes erstarrte vor Schreck und er kippte von Eralur herunter. Er hatte es vollbracht, er hatte seine Familie gerächt und endlich waren seine Rachegelüste befriedigt. Plötzlich ertönte ein weinerlicher Babyschrei aus einer Wiege neben Sarkaras’ Bett. Der dunkle Herrscher hatte einen Sohn. Eralur wurde von tiefen Schuldgefühlen überwältigt. Dieses Kind war nun eine Waise. Tränen rannen Eralur über die Wangen. Er war dafür verantwortlich, dass dieses Kind nun keinen Vater mehr hatte. Er hatte diesem Baby genau das angetan, was ihm angetan worden war. Er hob das Kind aus der Wiege und fasste einen Entschluss. Er würde das Kind mit nach Hause nehmen. Er würde dem Kind ein neues Zuhause bieten und er hoffte, dass es dieses akzeptieren würde. Doch mit einem Knall flog die große Flügeltür auf und Eralur blickte geradewegs in die Gesichter vieler Soldaten, die von dem Kampf Wind bekommen haben mussten. Mit dem Kind im Arm rannte er in einen anderen Gang, welcher zu einer weiteren Wendeltreppe führte. Er stürmte sie herunter und gelangte in den Burghof. Das Kind fing an zu weinen, doch Eralur ignorierte es und sprintete zum Burgtor. Er leitete all seine ganze Kraft in die Beine und rannte so schnell er konnte. Dann durchschnitt das Surren vieler Pfeile die Luft, fest schlang er das Kind in seine Arme. Er spürte, wie die Pfeile an seiner Rüstung zerschellten. Er hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Ein brennender Schmerz durchfuhr seinen Körper. Ein Pfeil hatte ihn in der Kniekehle getroffen. Er brach zusammen. Er sah die Wachen auf sich zustürmen. Dann hörte er den lauten Klang eines Horns. Er kam ihm bekannt vor. Doch bevor er den Verursacher des lauten Geräuschs ausmachen konnte, wurde ihm schwarz vor Augen. Als er wieder zu Bewusstsein kam, lag er in einem weichen Bett, seinem Bett. Daneben kniete Ines, ihre Augen waren geschwollen. „Eralur, was hast du mir nur angetan? Die Soldaten unseres Reichs haben dich zu uns gebracht. Sie sagten, du hättest den Herrscher der Raubritter, Sarkaras von Endris, umgebracht.“ Eralur nickte schwach. Langsam wurde ihm klar, woher er das Horn gekannt hatte. Am nächsten Tag kam ein Bote und übergab Eralur das Kind, es war ein Junge. „Ihr sollt entscheiden, was mit diesem Jungen geschehen soll. Ihr habt ihn mitgebracht.“
„Er soll hier bei mir leben, als mein Bruder.“ „Wie ihr wünscht, Herr.“ Eralur ging wieder ins Haus. In der Küche traf er Ines an und nannte seinen Wunsch: „Dies ist das Kind Sarkaras’, ich konnte es nicht dort ohne Vater lassen, darf er bei uns wohnen?“ „Es spricht nichts dagegen.“ Und auch Balduin willigte ein. Seit diesem Tag hatte Eralur einen kleinen Bruder.
Einen Bruder, der das gleiche Schicksal wie er erlitten hatte.

Das sind gute Thrillerautoren von morgen. Nichts für schwache Nerven. Ungewöhnlich hart für eine Mittelstufe