Fortsetzung des Beitrag von Felicitas R, Klasse 7c „Eine Weihnachtsgeschichte“, hier kannst du den ersten Teil noch einmal lesen https://www.kaktus-bzm.de
Der Schnee wurde immer höher, die Flocken dicker, und der Wind tat in den Augen weh. Wir waren jetzt schon fast zwei Stunden unterwegs. Und schon seit einer Weile war das Männchen sich unsicher, in welche Richtung wir weiter gehen sollten. Es schien irgendetwas zu suchen. Aber im dichten Schnee konnte es kaum etwas erkennen. Dann, ganz plötzlich, hüpfte das Männchen auf meiner Hand auf und ab und riss die Arme hoch. Sein schmaler Mund formte ein Lächeln, und ich denke, wenn es hätte reden können, hätte es so etwas wie »Jipiiii« gesagt
Ein Gefühl der Freude breitete sich in meinem Körper aus. Wir waren scheinbar am Ziel angekommen. Aber dann hielt ich inne. Hier war doch überhaupt nichts. Langsam erkannte ich Umrisse von Bäumen und Sträuchern. Wir standen auf einer kleinen Lichtung. Vor uns ragte ein nicht wirklich spektakulärer Stein in die Höhe. Aber das Männchen freute sich immer weiter. Dann drehte es sich zu mir um und symbolisierte mir, dass ich es nun absetzen konnte. Als ich dies getan hatte, lief es zu dem Stein und zog an irgendetwas. Es sah ziemlich drollig dabei aus. Aber als nichts passierte, fragte ich verwirrt: »Was soll das bew…«, und weiter kam ich nicht. In diesem Moment verlor ich den Boden unter den Füßen und fiel in eine Art Gang. Das Männchen fiel ebenfalls, aber irgendwie schaffte es es, auf den Füßen zu landen und nicht, wie ich, auf dem Hosenboden. »Wo sind wir denn hier???«, fragte ich überwältigt, und das Echo meiner Stimme hallte von der Decke wider. Das Männchen lächelte und lief zielsicher in einen der drei Gänge, die vor uns lagen. Schnell kramte ich nach meinem Handy und schaltete die Taschenlampenfunktion ein. Dann lief ich dem Wesen hinterher. Vom Ende des Ganges drang Licht in den Untergrund. Und ich konnte Musik hören. »So wie ich jetzt muss sich Alice gefühlt haben, als sie das erste Mal das Wunderland betreten hat«, dachte ich. Langsam traten wir aus der Höhle hinaus ins Freie.
Wir liefen nun auf einem schneebedeckten Weg, der aus kleinen Kieselsteinen bestand. Am Wegesrand standen meterhohe Zuckerstangen, und es lag ein weihnachtlicher Duft in der Luft. »Wo sind w …«, setzte ich an, aber dann wurde ich von einer älteren Frau mit weißen Haaren unterbrochen, die auf uns zugerannt kam.
Sie rief: »Oh, endlich seid ihr wieder da. Wir haben uns schon alle Sorgen gemacht!«
Wovon redet sie? Und wer war wir? Aber immerhin konnte sie reden. Vielleicht konnte sie mir die tausend Fragen beantworten, die mir gerade durch den Kopf rauschten. »Wo sind wir, und wer sind Sie, und was ist hier los?« Das waren erst einmal die wichtigsten drei Fragen. Die alte Frau lächelte und sagte: »Das werde ich dir alles später erklären. Jetzt kommt erst einmal mit.« Dann nahm sie das Männchen auf die Hand, drehte sich ruckartig um und lief in die Richtung davon, aus der sie gekommen war. Mir blieb keine Zeit, mich darüber zu wundern. Die Frau war schneller als erwartet, und ich hatte Probleme, Schritt zu halten. Sie führte mich zu einem sehr großen, hell erleuchteten Haus. Als ich es betrat, kam mir sofort Wärme und der Geruch nach Punsch entgegen. Die Frau wartete an einer großen, massiven Holztür auf mich. Als sie diese öffnete und so den Blick in das Zimmer freigab, blieb mir vor Erstaunen der Mund offen stehen. Es war wie eine Szene aus einem Weihnachtsfilm, bei der der Protagonist zum ersten Mal den Weihnachtsmann in einem Schaukelstuhl vor dem Kamin sitzen sieht. Am Kamin hingen Socken, und ein riesiger Tannenbaum stand in der Mitte des Raumes. An ihm hingen rote, silberne, goldene und glitzernde Weihnachtskugeln. Unter dem Baum lagen riesige Berge von Geschenken. Aber meine Blicke hafteten nur an dem Weihnachtsmann. Eigentlich hatte ich bis heute immer geglaubt, es gäbe gar keinen Weihnachtsmann. Aber jetzt saß er hier vor mir. Und er fing an zu sprechen: »Ah, wie schön, ihr seid endlich da. Wir hätten sonst bald einen Suchtrupp losgeschickt. Wie geht es euch?«
Ich war zu überwältigt, um zu reden, deshalb nickte ich einfach. Mein Mund stand immer noch offen. »Schön, und dann kannst du uns hier bei unserem Problem helfen?« Langsam beruhigte ich mich wieder und fragte: »Ja … also … mir hat noch keiner wirklich gesagt, wobei ich helfen soll.« »Oh, dann will ich es dir kurz erklären. Setz dich ruhig.« Der Weihnachtsmann zeigte auf den freien Stuhl neben ihm. Als ich mich gesetzt hatte, fuhr er fort: »Also. Die Weihnachtselfen haben ihre Stimme verloren. Und leider können sie deshalb ihre Arbeit in der Weihnachtsfabrik nicht fortsetzen. Deshalb brauchen wir jemanden Mutigen, der herausfindet, wohin die Stimmen der Elfen verschwunden sind. Würdest du das machen?«
Was?! Jetzt war ich komplett verwirrt! »Ja, natürlich würde ich das machen, aber wie soll ich herausfinden, wer den Elfen ihre Stimme gestohlen hat? Und warum gerade ich?« Jetzt mischte sich die Frau mit den weißen Haaren ein: »Also, wir wissen schon, wer der Dieb ist, aber jemand muss die Elfenstimmen noch zurückholen, und dich haben wir dafür ausgewählt. Du bist der einzige Mensch in der Nähe, der dieser Aufgabe gewachsen ist.« »Und woher wisst ihr das?« »Das hat uns Grey, unser ältestes Rentier, prophezeit«, sagte der Weihnachtsmann. »Was?«, fragte ich verwirrt. Ein Rentier sagt etwas, und der Weihnachtsmann ist so überzeugt, dass er einen seiner Elfen zwei Stunden durch den Schnee laufen lässt, um mich zu holen? »Rentiere sind heilig in unserer Welt. Und sie sind für hellseherische Kräfte bekannt«, erklärte die Frau. »Okay. Dann fangen wir an?«, fragte ich verunsichert. »Gerne.« Der Weihnachtsmann griff nach einer alten, leicht vergilbten Karte, die auf dem Tisch neben ihm lag. Vorsichtig breitete er sie vor uns aus. Das Papier fühlte sich seltsam warm an, fast so, als würde es leben. Als ich mich näher beugte, begannen feine Linien darauf schwach zu leuchten. »Elfen können sie nicht lesen.«
Langsam erkannte ich Umrisse auf dem Papier. Es sah aus wie eine Karte aus „Herr der Ringe“. Die meisten Linien verfärbten sich schwarz, doch eine etwas dickere wurde dunkelrot. Scheinbar war das der Weg, den ich gehen musste. Der Weihnachtsmann sprach nun mit einer ruhigen, festen Stimme: »Du siehst hier eine uralte Karte, die das gesagte Weihnachtsland zeigt. Hier«, er zeigte auf einen Abschnitt der Karte, „hier siehst du den verwunschenen Wald. Dort herrscht dunkle Magie. Da wirst du den Dieb finden.« Ich schluckte. Wenn der Dieb sich in einem Wald mit dunkler Magie aufhielt, wusste ich nicht, ob ich ihn überhaupt finden wollte. Die Weihnachtsfrau schien mir meine Sorgen anzusehen, denn sie sagte: »Du wirst natürlich nicht alleine gehen. Blue und Grey werden dich begleiten.« »Wer ist Blue?«, fragte ich unsicher. »Na er.« Die Weihnachtsfrau zeigte auf das kleine blaue Männchen. »Blue ist einer der schlausten, freundlichsten und neugierigsten Elfen, die ich kenne, und er wird dir bei dieser Mission eine sehr große Hilfe sein.«
Nur wenig später lief ich mit der Weihnachtsfrau zum Stall, um dort Grey, das Rentier, zu holen. Blue war in der Zwischenzeit auf meine Schulter geklettert und zappelte unruhig hin und her. Als wir bei Greys Box angekommen waren, schien dieser schon auf uns zu warten. Er stand am vorderen Ende seiner Box und schaute sich suchend um. Als er uns entdeckte, leuchteten seine Augen auf. Er sprach mit tiefer Stimme: »Schön, dass ihr unbeschadet hergefunden habt! Ich heiße Grey, und ich bin schon sehr gespannt auf unser Abenteuer.« »Hallo. Ja, wir sind auch aufgeregt«, sagte ich zögernd. Es kommt eben nicht jeden Tag vor, dass man sich mit einem Rentier unterhält. Die Weihnachtsfrau öffnete Greys Boxentür, und das Rentier trat hinaus. Erst jetzt konnte ich es im Ganzen betrachten. Es war sehr groß und hatte fast weißes Fell. Sein Geweih war riesig und spitz. Dann liefen wir zu der Stelle, an der der verwunschene Wald begann. Die Weihnachtsfrau blieb stehen und sagte: »Weiter kann ich nicht mitkommen. Aber passt auf euch auf, und wenn es gefährlich wird, kommt bitte wieder her.« Dann übergab sie mir noch die alte Karte des Waldes, bevor sie wieder in Richtung des Weihnachtsmann-Hauses verschwand. So konnten wir unsere ganze Konzentration auf den Weg vor uns richten.
Kaum hatten wir den ersten Schritt in den Wald gesetzt, spürte ich, wie sich die Luft veränderte. Sie fühlte sich kalt und nass an. Außerdem fiel mir auf, dass im Wald kein Schnee mehr fiel. Fast so, als wäre man durch ein Portal in eine andere Welt getreten.
Die Bäume standen dicht beieinander. Ihre Äste krümmten sich wie lange Finger über dem Weg, als wollten sie mich festhalten. Der Wind stand still. Es raschelte nichts. Alle Geräusche, selbst mein Atem, klangen gedämpft, als würde der Wald sie verschlucken.
Wir gingen langsam weiter. Schritt für Schritt. Blue saß still auf meiner Schulter. Er hatte aufgehört zu zappeln und hielt sich an meinem Kragen fest. Er blickte wachsam um sich. Seine Ohren zuckten leicht. »Alles okay?«, flüsterte ich. Doch kaum hatte ich das Wort ausgesprochen, erschrak ich. Meine Stimme klang brüchig, fast durchsichtig, als hätte jemand ein Stück davon herausgeschnitten. Ich räusperte mich, aber es half kaum.
Vor uns tauchte etwas im Nebel auf. …
Fortsetzung folgt 😉
