JuLi – Wettbewerb 2026 Prosa Unterstufe – Siegerbeitrag

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Fortsetzung des Beitrags von Felicitas R, Klasse 7c, „Eine Weihnachtsgeschichte“, hier kannst du den dritten Teil noch einmal lesen https://www.kaktus-bzm.de

Der Elf schüttelte den Kopf. Sein Gesicht verzog sich schmerzhaft. »Ich … erinnere mich«, sagte seine Stimme in meinem Kopf. Sie klang jetzt weniger hart und weniger kalt. Blue sprang von meiner Schulter auf den Boden und stellte sich direkt zwischen uns. Er breitete die Arme aus, als wolle er uns beide schützen. Seine Farbe begann schwach zu leuchten. Ein sanftes Blau, das sich deutlich vom grauen Wald abhob.

Der Elf sank langsam auf die Knie. Der Boden unter ihm war schwarz und rissig, als hätte dort lange nichts mehr gelebt. Seine Schultern zitterten. »Ich war einmal wie sie«, dachte er. »Ich habe gesungen und gelacht. Bis niemand mehr zugehört hat.«

Ein Bild erschien vor meinen Augen: Elfen, die flink durch Werkhallen liefen. Und mittendrin ein kleiner Elf, der versuchte, etwas zu sagen. Doch niemand hörte zu. Mein Herz zog sich zusammen.

Ich kniete mich vor ihn. Der Boden war kalt, aber das spürte ich kaum. »Es tut mir leid«, sagte ich leise. »Aber du musst die Stimmen zurückgeben. Sie gehören nicht hierher. Und du auch nicht.«

Der Elf sah mich an. Zum ersten Mal wirkten seine Augen nicht leer, sondern traurig. »Und wenn ich dann wieder vergessen werde?«

Blue trat näher. Vorsichtig legte er seine winzige Hand auf die des Elfen. In diesem Moment wurde sein Leuchten heller. So hell, dass der Nebel um uns herum zurückwich. Ich hörte etwas. Erst ganz leise, dann klarer: ein Lachen. Eine Stimme. Dann ganz viele.

Aus dem Boden stiegen silberne Lichtfäden auf. Sie schwebten durch die Luft, tanzten zwischen den Bäumen und sammelten sich über dem Wald. Ich hielt den Atem an. Es war wunderschön und schrecklich zugleich.

Plötzlich veränderte sich die Farbe des Elfen. Blau schimmerte durch das Grau. Der Wald veränderte sich. Die Bäume richteten sich auf. Der Boden wurde heller. Ein leiser Wind kam auf und trug den Duft von Weihnachten mit sich.

Grey trat näher, Blue lachte und hüpfte aufgeregt um uns herum. Ich atmete tief durch. Meine Beine zitterten. Ich wusste, dass wir es geschafft hatten.

Der Weg zurück durch den Wald fühlte sich anders an als davor. Die Stille war nicht verschwunden, aber sie war nicht mehr bedrückend. Zwischen den Bäumen hörte ich wieder Geräusche – das Knacken von Ästen, das leise Rascheln von Blättern, sogar leise Musik.

Der Elf ging ein paar Schritte hinter mir. Er wirkte unsicher, fast schüchtern. Seine Farbe war noch nicht ganz zurückgekehrt, doch hier und da schimmerte wieder ein sanftes Blau durch das Grau. Blue lief immer wieder zu ihm zurück, wartete und reichte ihm die Hand.

Als wir am Rande des Waldes angekommen waren, fiel mir auf, wie anstrengend alles gewesen war. Am Waldrand hörte ich plötzlich ein ungewohntes Geräusch. Wir folgten dem Laut bis zum Weihnachtsmann-Haus. Schon von Weitem sah ich Licht in allen Fenstern. Türen standen offen, Elfen rannten durcheinander – redend, rufend und singend. Die Weihnachtsfrau kam uns entgegengerannt. Blue sprang aufgeregt auf und ab. Er winkte und lachte – und diesmal konnte ich es hören.

Wir betraten den großen Raum mit dem Kamin. Der Weihnachtsmann stand auf, als er uns sah. Einen Moment sagte niemand etwas. Dann erklang ein lautes, fröhliches »Ho ho ho!«

»Die Stimmen sind zurück«, sagte der Weihnachtsmann mit warmer Stimme. Der Elf blieb stehen. Er senkte den Kopf. »Ich … habe Unrecht getan«, sagte er leise. Seine Stimme war brüchig, aber echt.

Es wurde still.

Der Weihnachtsmann trat näher heran und kniete sich vor den Elf. »Manchmal«, sagte er ruhig, »muss jemand verloren gehen, um gefunden zu werden.«

Er legte dem Elf eine Hand auf die Schulter. Sanftes Licht breitete sich aus. Das Grau verschwand. Zurück blieb ein kräftiges, warmes Blau. »Du wirst bei uns bleiben«, entschied der Weihnachtsmann. »Nicht als Arbeiter, sondern als Hüter der Stimmen.« Der Elf sah auf. Zum ersten Mal lächelte er wirklich. Ich atmete tief aus. Die Spannung und die Angst fielen von mir ab.

Die Weihnachtsfrau kam zu mir und legte mir eine Hand auf den Arm. »Danke!« Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Also sagte ich einfach: »Gern.«

Weihnachten war gerettet.

1 Comment

  1. Fr. Finke

    Eine tolle Geschichte. Ich bin wirklich beeindruckt. Hoffentlich bleibst du dran und schreibst weiterhin so kreative Texte.

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